Artikel 4 des EU AI Act verlangt seit dem 2. Februar 2025, dass Betriebe, die KI einsetzen, für ausreichende KI-Kompetenz bei ihren Leuten sorgen. Das betrifft nicht nur Softwarefirmen, sondern auch die Pension, die mit ChatGPT Gästeantworten schreibt, und den Handwerksbetrieb, der Angebote mit KI formuliert. Ein bestimmtes Zertifikat ist nicht vorgeschrieben. Was du konkret tun kannst, zeigen wir dir in fünf einfachen Schritten.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein praktischer Überblick und keine Rechtsberatung. Bei konkreten rechtlichen Fragen wende dich an Fachleute.
Was Artikel 4 verlangt
Der EU AI Act ist das europäische Gesetz über künstliche Intelligenz. Artikel 4 regelt die sogenannte KI-Kompetenz. Sinngemäß heißt es dort: Anbieter und Betreiber von KI-Systemen ergreifen Maßnahmen, um nach besten Kräften sicherzustellen, dass ihr Personal und andere Personen, die in ihrem Auftrag mit KI arbeiten, über ausreichende KI-Kompetenz verfügen.
Dabei sollen technische Kenntnisse, Erfahrung, Ausbildung und der Kontext berücksichtigt werden, in dem die KI eingesetzt wird. Es geht also nicht um ein Informatikstudium, sondern darum, dass Menschen verstehen, was sie da benutzen, wo die Grenzen liegen und welche Risiken es gibt.
Für wen die Pflicht gilt und seit wann
Die Pflicht gilt seit dem 2. Februar 2025. Sie betrifft Anbieter, die KI entwickeln, und Betreiber, die KI nutzen. Betreiber ist auch, wer KI-Tools wie ChatGPT im Arbeitsalltag einsetzt. Damit sind sehr viele kleine Betriebe im Vinschgau und in ganz Südtirol gemeint, oft ohne dass es ihnen bewusst ist.
Typische Beispiele
- Pension oder Ferienwohnung: Du lässt dir Antworten auf Gästeanfragen, Texte für die Website oder Beiträge für Social Media von einer KI vorschlagen.
- Handwerksbetrieb: Du formulierst Angebote, fasst Baustellennotizen zusammen oder übersetzt Mails ins Italienische mit KI.
- Hofladen oder Verein: Du erstellst Produktbeschreibungen, Einladungen oder Newsletter mit Hilfe von KI.
Sobald Mitarbeitende oder Helfer in deinem Auftrag solche Tools nutzen, solltest du dich mit Artikel 4 beschäftigen.
Was „ausreichend" bedeutet
Das Gesetz schreibt kein bestimmtes Zertifikat und keine feste Stundenzahl vor. „Ausreichend" hängt vom Einsatz ab. Wer nur gelegentlich Texte entwerfen lässt, braucht anderes Wissen als jemand, der mit KI Kundendaten auswertet oder Entscheidungen vorbereitet.
Ein guter Maßstab sind ein paar Fragen: Wissen deine Leute, dass KI Fehler macht und Dinge erfinden kann? Wissen sie, welche Daten nicht in ein KI-Tool gehören? Prüfen sie Ergebnisse, bevor sie an Kunden gehen? Wenn du diese Fragen mit Ja beantworten und belegen kannst, bist du auf einem guten Weg. Perfektion verlangt niemand. Es geht darum, dass du nachvollziehbar zeigst, dass du dich ernsthaft gekümmert hast.
Der 5-Schritte-Plan für kleine Betriebe
- Bestandsaufnahme: Schreib auf, welche KI-Tools in deinem Betrieb genutzt werden, von wem und wofür. Denk auch an Funktionen, die in Programmen eingebaut sind, etwa in Mail, Buchhaltung oder Buchungssoftware.
- Regeln festlegen: Halte schriftlich fest, was erlaubt ist und was nicht. Zum Beispiel: keine Kundendaten, keine Gesundheitsdaten und keine Betriebsgeheimnisse in öffentliche KI-Tools. Ergebnisse immer prüfen, bevor sie rausgehen.
- Schulung passend zur Rolle: Die Rezeption braucht anderes Wissen als die Chefin, die mit KI Angebote kalkuliert. Schulung muss nicht lang sein, aber sie sollte zum Alltag passen.
- Dokumentation: Notiere, wer wann woran teilgenommen hat und welche Regeln gelten. Ein Teilnahmenachweis und eine kurze Liste reichen oft schon, um zu zeigen, dass du dich gekümmert hast.
- Regelmäßig auffrischen: KI-Tools ändern sich schnell. Plane eine Auffrischung ein, wenn neue Tools dazukommen oder neue Leute ins Team kommen.
So kann das in der Praxis aussehen
Zwei erfundene, aber typische Beispiele. Stell dir eine kleine Pension in Mals mit zwei Mitarbeiterinnen vor: Die Bestandsaufnahme zeigt, dass ChatGPT für Gästemails und ein Übersetzungstool genutzt werden. Die Regel lautet: keine Namen, Telefonnummern oder Buchungsdaten eingeben, jede Antwort vor dem Versand lesen. Beide nehmen an einer kurzen Schulung teil, der Nachweis kommt in den Ordner. Einmal im Jahr wird aufgefrischt.
Oder einen Handwerksbetrieb in Latsch mit sechs Leuten: Im Büro werden Angebotstexte mit KI vorbereitet, auf der Baustelle nutzt niemand KI. Also wird vor allem das Büro geschult, für alle gibt es ein kurzes Merkblatt mit den Regeln. Mehr Ideen dazu findest du im Kurs KI im Handwerk.
Diskussion über Vereinfachungen und unser Kurs
Auf EU-Ebene wird seit 2025 über Vereinfachungen beim AI Act diskutiert. Was sich am Ende ändert, verfolgen wir aufmerksam. Eines bleibt aber so oder so richtig: Geschultes Personal macht weniger Fehler, geht sicherer mit Daten um und holt mehr aus KI heraus. Die Schulung lohnt sich also unabhängig davon, wie die Regeln im Detail aussehen.
Unser Kurs EU AI Act: KI-Kompetenz im Team dauert vier Stunden, läuft online, bei dir vor Ort oder im Kursraum und endet mit einem Teilnahmenachweis für deine Unterlagen. Wir erklären verständlich, was das Gesetz verlangt, wo Chancen und Risiken liegen und wie der sichere Einsatz im Betrieb gelingt. Alle Kurse findest du unter Kurse, maßgeschneiderte Angebote unter Schulung. Gut zu wissen: Schulungen können zu den förderfähigen Kosten der Landesförderung gehören, mehr dazu im Ratgeber Förderung für Digitalisierung in Südtirol.
Häufige Fragen
Gilt Artikel 4 auch, wenn wir nur ChatGPT nutzen?
Ja. Wer KI-Tools wie ChatGPT im Arbeitsalltag einsetzt, gilt als Betreiber. Damit solltest du dafür sorgen, dass deine Leute ausreichend KI-Kompetenz haben. Wie viel nötig ist, hängt davon ab, wofür ihr die KI nutzt.
Brauche ich ein offizielles Zertifikat?
Nein, ein bestimmtes Zertifikat ist nicht vorgeschrieben, auch keine feste Stundenzahl. Sinnvoll ist eine Schulung, die zu eurem Einsatz passt, und eine Dokumentation, die zeigt, wer wann geschult wurde.
Ab wann gilt die Pflicht zur KI-Kompetenz?
Artikel 4 gilt seit dem 2. Februar 2025. Wenn du bisher noch nichts unternommen hast, fang mit der Bestandsaufnahme an. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, was für deinen Betrieb sinnvoll ist.